Harald Mairböck

ViennaArtWeek25


Learning Systems Unlearned: Die kreative Subversion in der Fotografie

„Learning Systems Unlearned“ eröffnet eine Dimension, die etablierte Systeme des Lernens bewusst hinterfragt und auf kreative Weise zu überwinden sucht. Die Ausstellung erforscht insbesondere im Kontext der Fotografie, wie konventionelle Methoden und technische Apparaturen durch Reduktion und bewusstes „Verlernen“ neu interpretiert werden können.

Das Konzept des Unlearning unterscheidet sich grundlegend vom passiven Vergessen. Während Vergessen ein unwillkürlicher Vorgang ist, beschreibt Unlearning einen bewussten, aktiven Prozess: Es geht darum, eingefahrene Denkmuster und Routinen zu erkennen und gezielt zu durchbrechen. Menschen neigen dazu, einmal eingeschlagene Wege immer weiter zu gehen, selbst wenn sie nicht ideal funktionieren. In der Kunst bedeutet Unlearning, traditionelle Methoden und Techniken zu hinterfragen und abzulegen, um Raum für neue Ausdrucksformen zu schaffen. So werden kreative Blockaden überwunden und innovative Ansätze möglich, indem man sich von vertrauten Mustern löst u nd neue Wege beschreitet.

Vilém Flusser hat mit seinem Werk „Für eine Philosophie der Fotografie“ die Beziehung zwischen Mensch und technischem Apparat grundlegend analysiert. Für ihn markiert die Fotografie einen Umbruch, da sie nicht nur ein Medium, sondern ein System mit eigenen Regeln ist. Zentrale Idee ist das „Spiel gegen den Apparat“: Freiheit entsteht, wenn Künstlerinnen und Künstler die programmierten Möglichkeiten des Apparats bewusst unterlaufen und kreativ nutzen. Kunst wird so zum Spiel, das die Grenzen des Systems auslotet und erweitert.

Auch Gesellschaft und Kultur beschreibt Flusser als Spiele, die sich gegen den Zufall wenden und methodisch neue Möglichkeiten suchen. Für ihn ist Kunst ein solches Spiel – künstlerische Prozesse lassen sich als Algorithmen verstehen, die Inputs in Outputs verwandeln und so neue Formen schaffen.

Die Ausstellung greift Flussers Ansatz auf und setzt ihn in einer radikal reduzierten Umgebung um. Anstatt ein Fotolabor mit zahlreichen spezialisierten Geräten auszustatten, werden die technischen Mittel auf das Wesentliche beschränkt. Diese Reduktion macht die Begrenzungen des Systems sichtbar und eröffnet neue Wege, diese zu hinterfragen und zu überschreiten. Während etwa Workshops oft die gesamte Bandbreite moderner Technik nutzen, konzentriert sich die Ausstellung auf minimale Mittel, um die fundamentalen Prozesse der Fotografie freizulegen.

Die Reduktion des Systems erleichtert es, dessen Grenzen zu erkennen und zu überwinden. Wenn der technische Apparat auf seine wesentlichen Elemente reduziert wird, treten Strukturen und Einschränkungen zutage, die sonst durch Komplexität verdeckt bleiben. Diese Vereinfachung ermöglicht es den Künstler*innen, die innere Logik und die programmierten Möglichkeiten des Apparats zu durchschauen und kreativ zu umgehen. Gerade in einer Zeit, in der digitale Fotografie dominiert, erhält die bewusste Rückkehr zu analogen, reduzierten Verfahren eine besondere Bedeutung. Während Flusser selbst das Potenzial vor allem in der digitalen Technik sah, nutzt die Ausstellung die Rückbesinnung auf Einfachheit, um neue Freiräume zu erschließen.

Im Zentrum steht die kreative Subversion technischer Systeme. Künstler*innen überschreiten bewusst die Möglichkeiten des Apparats, indem sie gegen ihn „spielen“. Diese Subversion entsteht nicht durch Ablehnung der Technik, sondern durch ein tiefes Verständnis ihrer Funktionsweise und das gezielte Umgehen ihrer programmierten Grenzen. Der Fotograf wird zum „Spieler gegen den Apparat“, der die im System versteckten Möglichkeiten auslotet und umfunktioniert.

Freiheit entsteht, wenn Automatismen erkannt und gezielt gebrochen werden. Die Ausstellung verkörpert diesen Ansatz, indem sie durch die Reduktion technischer Mittel neue Ausdrucksmöglichkeiten entdeckt. Die Künstler*innen arbeiten nicht trotz, sondern wegen der selbst auferlegten Beschränkungen innovativ und schöpferisch. Sie „unlearnen“ die konventionellen Methoden der Fotografie, um neue Wege zu finden, mit dem Medium zu kommunizieren.

Um wirklich zu lernen, müssen wir manchmal verlernen. Die bewusste Reduktion technischer Mittel und das Unlearning etablierter Methoden werden zu Katalysatoren für neue künstlerische Ausdrucksformen. In einer Welt, die zunehmend von komplexen technologischen Systemen geprägt ist, gewinnt Flussers Philosophie des „Spiels gegen den Apparat“ neue Relevanz. Die Ausstellung lädt dazu ein, die Systeme zu reflektieren, die unser Lernen und Verstehen formen, und diese durch kreative Subversion neu zu interpretieren. Unlearning wird so nicht zum Verlust, sondern zum Gewinn – zur Öffnung neuer Räume für Kreativität, Innovation und künstlerischen Ausdruck.

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Tourist beim Fotografieren eines Gebäudes
Fenster eines Gebäudes in Nürnberg, Deutschland

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